Pressemitteilung, 30. Juli 2025, Greifswald
Seit 1968 gilt die Moorpflanze Hartmans Segge in Mecklenburg-Vorpommern als ausgestorbene Art. Jetzt konnten Studierende des Studiengangs Landscape ecology and nature conservation sie bei Feldarbeiten im Ladebower Moor wieder nachweisen. Die spannende botanische Wiederentdeckung belegt direkt vor Ort den positiven Effekt von Wiedervernässung und richtiger Pflege der Moorflächen auf Biodiversität.
In einem Kurs zu Feldmethoden der Moorforschung haben Studierende des Master-Studiengangs Landscape ecology and nature conservation an der Universität Greifswald eine seit 1968 in Mecklenburg-Vorpommern ausgestorbene Art wiedergefunden. Zuletzt war sie im Ladebower Moor nachgewiesen, wo die Pflanze auch jetzt wieder entdeckt wurde - ein Zufallsfund bei klassischen Vegetationsaufnahmen der Studierenden. Dabei erfassen die Studierenden auf einer bestimmten Fläche, in diesem Fall auf 4 m2, alle dort wachsenden Pflanzenarten. Durch das genaue Hinschauen finden sie regelmäßig auch Arten, die ihnen beim Durchstreifen des Gebietes nicht auffallen. Den jetzigen seltenen Fund der als verschollen geltende Carex hartmaniorum (Hartmans Segge) haben die Studierenden von mehreren botanische Expert*innen, darunter ausgewiesene Spezialisten der betroffenen Artengruppe, prüfen und bestätigen lassen.
Steckbrief Hartmans Segge: Die Hartmans Segge ist eine ausdauernde Pflanze mit einer Wuchshöhe von 30 bis 70 cm. Ihre schlanken, grau- bis dunkelgrünen Blätter sind an den unteren Blattscheiden netzfaserig und rötlich bis dunkelbraun gefärbt. Die Pflanze blüht von Mai bis Juni, weibliche und männliche Blüten sehen verschieden aus. Das endständige Ährchen trägt meist an der Basis männliche und an der Spitze weibliche Blüten. Die weiblichen Ährchen stehen seitlich – dabei ist die unterste Ähre meist am längsten. Das unterste Tragblatt ist etwa so lang wie oder kürzer als der gesamte Ährenstand. Weitere wichtige Merkmale zur Bestimmung der Art sind drei Narben (statt zwei) und eiförmige, grünliche, später braungrünliche, stark nervige Schläuche. Diese Schläuche sind umgebildete, feste Hüllen der weiblichen Blüte, die die Nuss umschließen.
Was bedeutet der Fund? Die Hartmans Segge gedeiht an wechselfeuchten bis staunassen Standorten. Sie bildet lockerrasige Bestände in nährstoffarmen Feuchtwiesen und Mooren. Leider sind viele ihrer typischen Lebensräume durch Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Nutzungsaufgabe oder intensive Nutzung stark verändert oder zerstört worden. Um die Hartmans Segge zu schützen, ist der Erhalt nährstoffarmer, wechselfeuchter Flächen entscheidend. Diese müssen extensiv genutzt werden. Das beinhaltet eine späte Mahd und den Abtransport des Mahdgutes, um einer Nährstoffanreicherung entgegenzuwirken (Aushagerung). Auch die erneute Nutzung von Wiesenbrachen kann der Art zugutekommen. Durch das Entfernen von Gehölzen und konkurrenzstarken Arten können diese Brachen den für die Art lebensnotwendigen, offenen Charakter zurückgewinnen.
Die Art wurde jetzt auf einer Fläche wiedergefunden, die auf Betreiben der Moor-Managerin der Stadt Greifswald seit einigen Jahren durch einschürige Mahd (das heißt einmal im Jahr) inklusive Abtransport des Mahdgutes gepflegt wird. Das zeigt, dass es nicht nur das richtige Wasser-Regime, sondern an vielen Stellen auch das entsprechende Bewirtschaftungsregime braucht, um wertvolle Pflanzenbestände zu erhalten oder sogar wieder zu entwickeln. Wird das Mahdgut auch noch genutzt, ergibt sich eine Win-Win-Situation, bei der landwirtschaftliche Nutzung, Moorschutz und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
Kontakt:
Prof. Dr. Gerald Jurasinski Moorforschung Institut für Botanik und Landschaftsökologie Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum gerald.jurasinski@uni-greifswald.de +49 3834 420 4170 |